Sich fühlen, wie ein Vogel
auf einem knospenden Ast.
Leben veraltet nur,
wo wir ständig rasen.

(© Jo M. Wysser)

Lebenssprüche

schöne, tiefgründige, anspruchsvolle und poetische sprüche über das leben, die liebe, die menschen, die welt, die abschiedlichkeit... . kurze lebenssprüche und zitate.

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Tipps:

Der Sommer

Der Sommer beleuchtet unseren Wahn.
Dabei ist Leben schon Idee genug.

(© M.B. Hermann)

Auch wenn Wünsche Vergangenheit tragen, bedürfen sie der Aufmerksamkeit.

(© Monika Minder)

Deine Spuren

Deine Spuren zeichnen Leben,
wie Wiesen Blumen blühen lassen.
Du fragst nicht nach Gewinn,
Zeit für Andere ist dir der grösste Sinn.

(© Hanna Schnyders)

Der Mensch ist auch Kaufmann. Einen grossen Teil seiner Freiheit tauscht er gegen Sicherheit ein. Oft macht er damit ein schlechtes Geschäft.

(© Michael Depner, Wuppertal)

Der berechtigte Kuss

Wohnet nicht auf deinen Lippen, meine Freude,
mein Vergnügen, meine Seele, meine Wonne,
ja mein Leben, meine Ruh?
Warum soll ich nicht das Meine, wo ichs finde, wieder kriegen? Alle Recht und Richter sprechen jedem ja das Seine zu.

(Hans Aßmann Freiherr von Abschatz, 1646-1699, deutscher Lyriker, Übersetzer des Barock)

So teilzunehmen, dass man selbst erlebt, wie einem andren zumute ist, muss unbeschreiblich schwer sein! [...] Die Welt erinnert heute an unsere Kinderzimmer. [...] Es ist die erste Traurigkeit des Menschen inmitten seines Spielzeugs, die immer wiederkehrt.

(Robert Musil, 1880-1942, österr. Novellist)

Zeit

Zeit können wir nicht verhindern,
aber Horizonte malen, damit wir
ab und zu ins Glück fallen.

(© Monika Minder)

Leben versäumt

Wenn du am Abend
erwachst
und denkst,
du hast dein Leben
versäumt,
leb die Nacht
und du wirst sehen,
dass Leben
auch lacht,
wo Schatten sind.

(© Monika Minder)

Der Kunst des Lebens gehen die Künstler aus.

(© Horst A. Bruder)

Leben nicht verlernen

Vielleicht
den Weg neu anfangen,
sich tragen lassen,
mal mit, mal ohne Plan,
dabei das Leben nicht verlernen
und tief erfahren,
dass auch bei dunklen Wolken
bunte Sterne am Himmel stehen.

(© Beat Jan)

Sonnenuntergang mit Bäumen

© Bild Monika Minder, darf privat=offline (Karten, Mails) kostenlos genutzt werden. > Nutzung Bilder

Bild-Text:

Tiefes Leben ist das Resultat von bewusst wahrgenommener Gegenwart.

(© Monika Minder)

Was sich findet

Was sich in sich findet,
in zartem Willkommen,
blendet keinen Tag.

(© Monika Minder)

Ich sehe diese entsetzlichen Weiten des Weltalls, die mich einschliessen, und ich finde mich an einem Winkel dieses gewaltigen Raums gefesselt, ohne dass ich weiss, warum ich an diesem Ort und nicht vielmehr an einen anderen gestellt bin und warum die kurze Frist, die mir zu leben gegeben ist, mir gerade zu diesem Zeitpunkt und nicht vielmehr zu einem anderen der ganzen Ewigkeit, die auf mich folgt, bestimmt ist. Ich sehe überall nur Unendlichkeiten, die mich wie ein Atom und wie einen Schatten einschliessen, der nur einen unwiederbringlichen Augenblick lang dauert.

(Blaise Pascal, 1623-1662)

Die Liebe ist

Die Liebe ist
So langsam,
Dass sie,
Zum Ziele zu gelangen,
Am Leben nicht genug hat.
Sie geht
Bis an den Tod,
Und fängt vielleicht
Den Weg
Von neuem an.

(Arno Nadel 1878-1943, Musikwissenschaftler, Schriftsteller)

> mehr Sprüche der Liebe

Das ist das Wichtigste im Leben,
nach der Wahrheit zu leben.

(Oscar Wilde, 1854-1900)

Die ersten Jahre deines Lebens

Die ersten Jahre deines Lebens
bist du Regen
und weisst es nicht

Dann die Jahre
in denen du strömst
allen Widerständen entgegen
in denen du suchst
deinen eigenen Lauf
in denen du wirst
Bach Fluss Strom

Dann die Jahre
in denen du bist
Meer
in sich machtvoll wogend und stürmisch
in sich angekommen still und weit

Und dann die Jahre
in denen du sinkst
weg vom Licht
weg vom Regen
hinab an den Grund
und du weisst es nicht.

(An Agni Smidah, Mystiker)

hier gefunden: aphorismen.de)

Pusteblume in zartem rot-orange

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Bild-Text:

Blumen sind die zarten Gedanken der Liebe und des Lebens.

(© Monika Minder)

Freude finden

Finde Freude, auch wenn es unkonventionelle Wege benötigt.

(© Monika Minder)

Zufrieden mit dem Leben an sich kann man nur soweit sein, wie man seinen Frieden damit macht, dass man auf Dauer kaum je zufrieden sein kann.

(© Michael Depner, Wuppertal)

Zeitmangel

Wer die Zeit sich suchen mag,
Hat sie stets gefunden:
Für den Fleissigen hat der Tag
Achtundvierzig Stunden.

(Ludwig Fulda 1862-1939)

Wir urteilen, wägen ab, vergleichen, weisen zurück und lassen zu. Dabei kommen wir kaum dazu, wahrzunehmen, was wirklich ist.

(Krishnamurti, 1895-1986, indischerPhilosoph)

Sich wahrnehmen

Nehmen Sie sich wahr. Was Sie erkennen ist das, was Ihren Wert bereits ausmacht. Das Selbstwertgefühl beruht auf der Beachtung des eigenen Selbst. Vom Lob anderer hängt man nur ab, wenn man sich selbst nicht beachtet.

(© Michael Depner, Wuppertal)

verblühter Löwenzahn

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Bild-Text:

Leben ist Erfahrung von Wirklichkeit. Wer lebt, tauscht Zeit gegen Erfahrung aus.

(© Michael Depner, Wuppertal)

Lösungen

Das Leben und wir selbst sind damit angelegt, Lösungen zu finden.

(© Monika Minder)

Der edle Mensch bleibt dem treu, was recht ist, unabhängig von dem Glauben, den andere in ihn setzen.

(Konfuzius 551-479 v.Chr., chinesischer Philosph)

Gegenwärtigkeit

In der Gegenwärtigkeit
erhält das Leben mehr Substanz.

(© Monika Minder)

Paradies

Manchmal reicht schon ein Lächeln, um aus seinem Herzen ein kleines Paradies zu machen.

(© Monika Minder)

Der Mensch muss so leben, dass er Stunden und Zeiten hat, da er sein Gemüt sammelt, dass sein Leben an Durchsichtigkeit gewinne!

(Søren Kierkegaard, 1813-1855)

In das Buch deines Lebens

In das Buch deines Lebens kannst du jeden Tag von Liebe schreiben, wenn du deinem Herzen eine Chance gibst, sich zu öffnen.

(© Monika Minder)

Das Leben ist ein Geschenk. Wir verdienen es, indem wir es hingeben.

(Tagore 1861-1941, bengalischer Philosoph, Dichter)

Leben bestreiten

Es scheint am Ende nicht genug, Leben einfach zu bestreiten. Es braucht doch immer wieder Mut und auch begreifen.

(© Monika Minder)

Das ist Sehnsucht: Wohnen im Gewoge und keine Heimat haben in der Zeit.

(Rainer Maria Rilke 1875-1926, deutsch-österreichischer Dichter)

Herbsteinzug

Auch ein Blatt legt sich nicht schlafen, nur weil der Herbst eingezogen ist.

(© Monika Minder)

Abendstimmung mit Bäumen

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Bild-Text:

Der Weg braucht dein Herz, das Ziel deine Vision.

(© Monika Minder)

Das Leben ist ein Augenblick

Das Leben ist ein Augenblick,
der dir geliehen
für eine Zeit des Glücks
in einer Ewigkeit der Liebe.

(© Monika Minder)

Wer sich Zeit nimmt

Wer sich Zeit lässt wahrzunehmen, findet eine Ordnung, über die er nicht mehr herrschen muss.

(© Michael Depner)

Zitate hier veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung von Michael Depner, Wuppertal.

Das Jetzt geniessen

Nichts anderes als das Jetzt geniessen, nur einen Augenblick ganz da und gegenwärtig sein, um wieder mit dem Leben zu fliessen.

(© Monika Minder)

Was unerschöpflich ist

Begrenzt ist das Leben, doch unerschöpflich die Liebe.

(Ihara Saikaku 1642-1693, japanischer Schriftsteller)

Ziel

Ein Ziel sollte nicht das Ende eines Bestrebens sein, sondern Motor für einen Neuanfang.

(© Monika Minder)

> mehr Sprüche Neuanfang

Wollen und tun

Wenn dem Wollen ein Tun folgt, ist das der erste Schritt zu einer neuen Erfahrung.

(© Monika Minder)

Gräser mit Blick in die Sonne

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Bild-Text:

Wer ein Ziel hat, braucht vieles nicht.

(© Monika Minder)

Blumen sind

Blumen sind die zarten Gedanken der Liebe und des Lebens.

(© Monika Minder)

Aufmerksamkeit und Liebe

Was die Sonne für die Natur, sind Aufmerksamkeit und Liebe des Menschen Lebenselixier.

(© Monika Minder)

Der gute Beginn

Alles hängt von dem guten Beginn des Tages ab, was sogar gleichgültige Handlungen gut und verdienstvoll machen kann.

(Maria Theresia 1717-1780, österreichische Fürstin)

Leben ist

Leben ist nicht einsam, weil die Seele weiss, dass du der Gedanke von etwas ganz Grossem bist.

(© Monika Minder)

Wahres Leben

Wahres Leben zeigt sich uns am meisten in der Sehnsucht.

(© Monika Minder)

Das Glück des Lebens

Das wahre und sichtbare Glück des Lebens liegt nicht ausser uns, sondern in uns.

(Johann Peter Hebel 1760-1826, deutscher Dichter, Theologe)

Dem Leben Qualität geben

Wenn wir dem Leben so viel Qualität geben wie möglich, wird es in jedem Moment ein tiefes Leben.

(© Monika Minder)

Lebensjahre

Die gelebten Lebensjahre spielen weniger eine Rolle als vielmehr das Leben in ihnen.

(© Monika Minder)

Das Glück des Lebens

Die einzige Freude auf der Welt ist das Anfangen. Es ist schön zu leben, weil leben anfangen ist, immer, in jedem Augenblick.

(Cesare Pavese 1908-1950, italienischer Schriftsteller)

Blumen sind

Blumen sind die Liebesgedanken der Natur.

(Bettina von Arnim 1785-1859, deutsche Schriftstellerin)

Margerite in orange

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Bild-Text:

Das wahre und sichtbare Glück des Lebens liegt nicht ausser uns sondern in uns.

(Johann Peter Hebel 1760-1826)

Freue dich

Freue dich an den Wolken, sie bringen
Schatten an heissen Sommertagen.
Freue dich am Duft des Grases,
er weckt in dir neue Sinne.

Freue dich über die Blumen am Wegrand,
sie schenken dir ein Lächeln.
Freue dich an den Tieren und den
Menschen, denen du begegnest,
sie sind Geschenke der Liebe,
so wie du.

(© Monika Minder)

Lebensreife

Es ist doch ein Vorzug der Reife, unwesentliche Dinge von wesentlichen unterscheiden zu können.

(© Monika Minder)

Das Leben beginnt

Das Leben beginnt mit dem Tag, an dem man einen Garten anlegt.

(Aus China)

Du bist der Anfang

Du bist der Anfang aller Ewigkeit, der Spiegel einer grossen Seele.

(© Monika Minder)

Träume färben

Gemeinsam Träume färben, damit auch der Morgen bunt wird und Rosen uns duften.

(© Monika Minder)

> mehr Lebenssprüche

Gedanken

Das Hier und Jetzt gestalten

Die Zukunft ist nicht die Ewigkeit, aber das Hier und Jetzt.

Von diesem Hier und Jetzt, dem Moment, dem Augenblick, sprechen wir viel. Das Leben findet jedoch bei den meisten Menschen als Erinnerung oder Erlebnis im Gestern, als Termin, Plan oder Wunsch im Morgen statt.

Die Beachtung dessen, was wir Gegenwart nennen, oder besser gesagt, Gegenwärtigkeit, braucht zuerst eine Schulung unserer Wahrnehmung.

Am Gegenwärtigsten sind wir, wenn wir Schmerzen haben. Da sucht etwas vehement nach dieser Aufmerksamkeit.

Unsere Wahrnehmung bestimmt, was wir tun. Wie besser wir uns selbst wahrnehmen, wie echter können wir handeln und unser Leben gestalten. Die aktuellen Gefühle sagen uns etwas darüber aus, was uns fehlt, was wir brauchen.

(© Text und Spruch Monika Minder)

Geduld

Mit uns selber Geduld haben, erfordert ebenso viel von uns, wie Geduld mit anderen zu haben. Es ist ein ständiges Lernen, eine Entdeckungs- und Erfahrungsreise. Wie oft stehen wir uns selber im Wege und trampen auf unseren Seelen herum. Zu sich selbst kommen ist Aufgabe und Geheimnis zugleich.

(© Text von Monika Minder)

Das Leben erzählen

Tiere haben keine Biographie; nur Menschen haben Biographien, denn sie erzählen sich ihr Leben.

Erzählungen umfassen verschiedenste Typen oder Muster oder Gattungen: Einer berichtet von einem Unfall, dessen Zeuge er war; einer beschreibt die Atmosphäre der Stille und Erhabenheit, die er bei seiner Wanderung durch den Hochwald erlebte; einer schildert die Abgelegenheit und Verwunschenheit von Dorf und Garten seiner Kindheit; einer beichtet seinem Freund einen Akt der Untreue gegen seine Frau; einer klagt am Stammtisch seines Vereins über den Ärger mit den Kollegen; einer ahmt vor seinen Kollegen komödiantisch das arrogante Gebaren des Chefs nach; einer stimmt vor seinen Studenten das Loblied seines alten Professors an; einer bekennt vor seiner Tochter seine Schuld, sie in ihrer Jugend vernachlässigt zu haben; einer schmeichelt seiner Angebeteten mit einem Preis ihrer Schönheit, Anmut, Seelengröße.

Bericht, Beschreibung, Schilderung, Beichte und Bekenntnis, Klage, Nachahmung oder Preis, auf die wir anspielten, bilden einen Ausschnitt aus der Fülle oder dem Repertoire epischer Muster, mit denen wir unser Leben erzählen.

Wir ahnen die kontinuierlichen Übergänge solcher alltäglichen Vortragstypen zu den ausgereiften, subtilen und artifiziellen Mustern der Darstellung, wie sie uns in Prosa und Poesie begegnen: Kurzgeschichte, Novelle, Anekdote, Schelmenroman, dramatisches Intermezzo, Stehgreifkomödie, Elegie und Klage, Preislied und Hymnus.

Unsere Erzählungen sind immer Teil von Reden und Wechselreden und Widerreden, die unseren Umgang mit anderen kennzeichnen; von daher gewinnen sie eine kommunikative Bedeutung: Wir wollen jemanden unterhalten, amüsieren, beeindrucken, verblüffen, irritieren oder in unserem Sinne beeinflussen; manchmal wollen wir damit auch unser bisweilen fragwürdiges oder überraschendes oder vor den Kopf stoßendes Verhalten rechtfertigen.

Manchmal erzählen wir, um uns klar zu machen, was wir erlebt haben; wenn dem Zuhörer das Erzählte plausibel und kohärent erscheint, dann am Ende auch uns selbst.

Wir erzählen bei einer Gelegenheit dies, bei einer anderen jenes, wir erzählen dem einen etwas, dem anderen etwas anderes, ohne uns groß darum zu kümmern, ob und inwiefern ein roter Faden durch die verschiedenen Erzählungen geht, ob sie in einem größeren Muster wie die bunten Steinchen eines Mosaiks sinnvoll zusammenstimmen.

Und doch gibt es wenn auch manchmal uns selbst verborgene Muster, die sich wie ein Leitfaden durch mehrere, viele oder gar all unsere Erzählungen durchschlingen. Wir nennen sie Motive – analog zu den großen tragenden Motiven, wie wir sie aus der Dichtung kennen. Der Zorn des Achilleus ist das tragende Motiv der homerischen Ilias, die Rache der Krimhild ein tragendes Motiv des Nibelungenlieds, der Fluch über das Geschlecht der Labdakiden das Motiv der sophekleischen Tragödien von Ödipus und Antigone, Hybris und Verblendung das Motiv der Erzählungen Herodots über den Untergang und die Niederlage der Meder und Perser; Größenwahn und Selbstsucht das Motiv der Tragödie von Faust und Gretchen; Sehnsucht nach dem verlorenen Paradies das Motiv des Heinrich von Ofterdingen; Sehnsucht nach kontemplativer Katharsis das Motiv in Stifters Nachsommer; auch unsere Märchen sind von tragenden Motiven durchwebt, sie werden dort verkörpert wie in der finsteren Gestalt der bösen Hexe oder der lichten der guten Fee; und wie viele andere Motive ließen sich aufzählen.

Wir spüren solche Motive leicht auf, wenn in den Erzählungen des Freundes oder der Geliebten oder des Anvertrauten oder des Klienten immer wieder dieselben Situationen, Begebenheiten, Namen auftauchen: Da ist es der übermächtige Vater, dessen Schatten der Sohn nicht loswird und der ihm das Lebensmotiv der vergeblichen Suche nach Reife und Autonomie vererbt hat; da die kaltherzige Mutter, die das Motiv der Suche nach Wiedergutmachung und Heilung eingeprägt hat; da ist es der ältere Bruder, der als Prinz der Familie im Licht der Aufmerksamkeit, Bemutterung und Fürsorge stand, während die Tochter sich in die Rolle des Aschenputtels hineingeschämt hat und vom Beweggrund des Neids und der Mißgunst angetrieben immerfort nach Gelegenheiten der Vergeltung lechzt; wir kennen den durch körperliche Konstitution und demütigende Erfahrungen an die Wand gedrängten Ohnmächtigen, dessen treibendes oder zwanghaftes Lebensmotiv ihn nach der Schwäche anderer schielen läßt, um sich durch Taten der Überwältigung und Vergewaltigung an ihnen schadlos zu halten; wir kennen auch die Narzissen-Aureole, die das von der Mutter idealisierte Mädchen umgibt und es ein Leben lang drängt, das Rampenlicht zu suchen, und den Applaus der von seiner Schönheit, seiner Ausstrahlung, seinem Talent Faszinierten, Geblendeten oder Verführten.

Natürlich zeugt der Zwang, Freunden und Bekannten immer wieder mit denselben Passions- und Opfergeschichten in den Ohren zu liegen, oftmals von einer echten Wunde, die sich nicht schließen will. Es kann aber groteskerweise auch eine Modekrankheit sein, die sich darin zur Geltung bringt, sein Leben als Passion und Leidensgeschichte zu erzählen: Wird doch von einer Pädagogik und Ästhetik, auf denen kein Segen ruht, der Typus des bluttriefenden Opfers, der gequälten Kreatur und des Gescheiterten, der da sein Lamento nackt und schamlos aus Leibeskräften herausbrüllt oder sein Todesröcheln lyrisch psalmodiert, immerfort gefeiert und ins Rampenlicht gerückt, ihm gilt voyeuristisch alle Aufmerksamkeit, er ist der dramatisch effektvoll platzende Madensack und die abgerissene Charge des heulenden Elends, der stinkende und geschwätzige Menschenrest im Neonlicht namens Klein-Hiob, Bettnässer-Hamlet und Laborratten-Woyzeck, um den großes Theater und schrille Oper gemacht werden, vor ihm verfällt die Kritik in masochistische Demutsstarre und ihm schickt ein im Morast der Selbstbezichtigung versinkendes Publikum noch eine letzte Kußhand nach.

Dagegen wissen wir um die hart erkämpfte Haltung des Genies des Lebens und der Erkenntnis, das die Erzählung seines Lebens soweit es geht von solchen verführerischen Anfechtungen freizuhalten versteht; so mag ihm wie Goethe die freie dichterische Gestaltung auch der bedrängendsten Lebensmächte oder wie Wittgenstein ein Ringen um innere Klarheit und Reinlichkeit und Luzidität des Gedankens gelingen – um den Preis fortgesetzter schmerzlicher Häutungen und Metamorphosen.

Wir kennen auch die fade Lymphe des antriebslos mit dem Zeitgeist auf- und niederschwappenden hohlen Menschen, der nichts Eigenes zu erzählen hat, dessen Schädel aber immerfort widertönt von den Phrasen, die ihm die gekaufte Souffleuse des Feuilletons und der schiefe Mund des Modedenkers einflößen.

Gewiß souffliert unsere leibliche Verfassung über Krankheiten, leptosome, athletische oder pyknische Konstitutionen zu seelisch-geistigen Anfälligkeiten wie Psychosen oder manisch-depressiven Leiden oder unsere synästhetische Empfänglichkeit uns Motive und Leitmotive, die sich oft ein Leben lang durchhalten und ein stabiles Muster erzeugen. Der kurzsichtige, leptosome Typus wird kein großer Weltumsegler, sondern sich in irgendeiner Innerlichkeit einhausen, materieller und geistiger Natur, die ihm Sicherheit gibt – es sei denn die brüchige Wand der Geborgenheit fängt an zu rieseln und wird von einem psychotischen Wahn durchbrochen. Der matronenhafte Schmollmund wird sich nicht zur Prinzessin auf dem Eis entpuppen, sondern intime Häuslichkeit und eine Beschaulichkeit leben, in der lukullische Genüsse großgeschrieben werden.

Nicht minder herrschsüchtig zeigen sich Talente und Begabungen; der feinmotorisch Bewegliche und Hellhörige wird eher Pianist oder Chirurg oder Kunsthandwerker, als daß wir ihn sich in den Ränken und Intrigen der Macht verstricken sehen; der feinmotorisch Taube und Stumpfe, der sich ein großes gestalterisches Talent eingeredet hat, wird handwerklichen Pfusch hinterlassen oder statt bezwingende, raumgreifende Figuren zu schaffen fade Konzeptkunst ausstoßen.

Eine Großmacht in der Direktion unserer Lebensmotive und Erzählmuster ist die biologisch nun einmal verhängte Zugehörigkeit zu einem natürlichen Geschlecht, denn was es heißt, ein Kind in sich heranwachsen zu wissen, wird der Mann niemals verstehen, und umgekehrt die Frau nicht, daß dem Mann das Geschlecht etwas Äußerliches und zugleich Innerliches ist, was sein sexuelles Empfinden von Grund auf mit dem Grau- und Blauton der Sterbensangst grundiert oder seine Wünsche auf Schnelligkeit, Überblick, Technik und Herrschaft ausrichtet.

Freilich können wir mit all diesen uns zugeflogenen, zugewachsenen oder verhängten Lebensmotiven mehr oder weniger gekonnt spielen, indem wir uns selbst zitieren, ironisieren oder anderweitig von uns distanzieren; doch kann sich Möchtegern und Gernegroß die Maske eines Don Juan aufsetzen, seine weiche Stimme wird ihn verraten und der untrügliche Instinkt der Frau wird ihm ihren Schoß nur geben wie die Mutter dem schutzsuchenden Kind.

Ein probates Mittel der erheiternden Selbstdistanzierung besteht darin, in vertrauter Runde oder im intimen Umgang von sich in der dritten Person als "dem guten Karl" zu sprechen, der sich für seine Kumpane wieder so ins Zeug gelegt oder für seine Holde herkulisch geschwitzt hat, oder "der bösen Petra", die wieder einmal vergessen hat, den Computer, die Heizung, das Licht auszumachen, oder den Kopf voll Zuckerwatte nicht Willens oder unfähig war, ihrem Liebsten, der so hingebungsvoll oder intellektuell hochtourig-aufgedreht auf sie eingeredet hat, ihr ganzes Ohr zu leihen oder zumindest ihm die Blüte ihres Lächelns halb zu öffnen.

So können wir unsere Erzählung mit den flirrenden und glitzernden Mustern ironischer oder humoresker Spiegel-Spiele der metalogischen, metapoetischen und metaphorischen Vergrößerung, Verkleinerung und Verzerrung charmieren und garnieren, ähnlich wie ein Meister dieser literarischen Verfahren, der immer wieder gern vorgibt, vom Leben und den Eigenarten seiner Romanfiguren überrascht, an der Nase gezogen oder hinters Licht geführt zu werden.

Besser das Maul halten, als immerfort nachplappern und dazu Gunst heischend mit dem nicht vorhandenen, weil von der Schere der Zensur der Wohlmeinenden und Bessergesinnten abgeschnittenen Schwanz wedeln.

Sich wohlig über seinen Schmerbauch streichelnd fuhr er fort in der dornenreichen Schilderung seiner Passion.

Die Gelassenen oder Entlassenen, die ihr Leben erzählen, wie man einen Traum erzählt.

Die Meister erzählen ihr Leben wie von einer symbolhaften ikonischen Darstellung, deren Maler sie nicht kennen.

Der uns maßlos übersteigt, beschied sich in eine Existenz, die sich allem Biographischen entzieht.

Den bunten Teppich der Lebenserzählung wieder entflechten und ausmustern und das ganze Garn und Gewebe fein nach Farben getrennt auf dem leeren Tisch auslegen, wo einem Altar gleich nur eine Kerze flackert und eine Rose vor sich hin träumt.

So frei geworden, was sollen wir noch erzählen, schmilzt die Zunge schon im Gesang.

Aller Motive und Beweggründe bar, tauchen wir überwunden zurück in den dunklen Strom, in dem die Sterne mit uns versinken.

Wie unbefangen wirst du in Gegenwart eines Menschen, der aufgehört hat, sein Leben zu bebildern und zu erzählen, sondern dort am offenen Fenster steht und schweigend in die Nacht lauscht.

Noch eine Anekdote, noch ein Name, noch eine minutiöse Aufzählung der Schönheitsflecken einer unwiderstehlichen Bardame – ach, knall den Hörer auf!

Jenseits, dort, wo es genügt sich schweigend in die Augen zu schauen, um alles zu wissen, alles zu fühlen, alles mitzuleiden.

Sie hatten sich alles erzählt und waren füreinander leer.

Die göttliche Gnade verdichtet sich in einem nur den Mund eines Engels rein und schön formenden Namen – Rose, die in der Mitternacht zweier gekreuzter Balken glüht.

(© Dr. Detlev Wilhelm Klee, Frankfurt am Main)

Artikel hier veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung von Dr. Detlev Wilhelm Klee. Quelle: www.luxautumnalis.de

> mehr Gedanken

Kurz und knapp

Es ist nie zu spät, so zu sein, wie man es gerne gewesen wäre.

(George Eliot 1819-1880)

Wo Begeisterung ist, kann das Leben fliessen.

(© Monika Minder)

Der Vorfahre jedes Tuns ist ein Gedanke.

(Ralpf Waldo Emerson 1803-1882)

Was nicht vergessen bleibt, scheint wirklich erlebt.

(© Monika Minder)

Erfahrungen verereben sich nicht, jeder muss sie allein machen.

(Kurt Tucholsky 1890-1935)

Hochfliegende Träume leben, ohne abzuheben.

(© Monika Minder)

Ein Beruf ist das Rückgrad des Lebens.

(Friedrich Nietzsche 1844-1900)

Fehler bieten die Möglichkeit anders vorwärts zu gehen.

(© Monika Minder)

Wage jetzt deine Schritte.

(Franziska Stoecklin 1894-1931, aus Brücke der Angst)

Welt essen, wo sie drängt.

(© Monika Minder)

Eine neue Art von Denken ist notwendig, wenn die Menschheit weiterleben will.

(Albert Einstein 1879-1955)

Leben ordnen, lernen aus dem Chaos.

(© Monika Minder)

Der Zweck des Lebens ist das Leben selbst.

(Johann Wolfgang von Goethe 1749-1832)

Augenblicke der Stille sind kostbar.

(© Monika Minder)

Aus kleinem Anfang entspringen alle Dinge.

(Cicero 106-43 v.Chr.)

Echtes Leben braucht mehr Aufmerksamkeit auf die eigene Wahrnehmung.

(© Monika Minder)

Die Samen der Vergangenheit sind die Früchte der Zukunft.

(Buddhistische Weisheit)

Brücken brauchen Behutsamkeit und offene Augen.

(© Monika Minder)

Wer loslässt hat zwei Hände frei.

(Chinesische Weisheit)

Augenblicke der Stille sind kostbar.

(© Monika Minder)

Der nächste Tag ist der Schüler des vorigen.

(Publilius Syrus, 1 Jh.v.Chr.)

Lebensweisheiten

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